Die Unmöglichkeit einer Insel

Theater GegenStand Produktion
Die Unmöglichkeit einer Insel

Ein Theaterstück zu einem ungewollten Thema von Charlotte Roos

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Willkommen auf Gran Canaria! Willkommen im Jahr 2007! Nach Europa strömen zwar auch schon in dieser Zeit die Flüchtlingsströme. Aber das braucht Sie nicht zu kümmern. Entspannen Sie sich lieber hier in unserer Ferienanlage, die keine Wünsche offen lässt. Treffen Sie interessante Leute:

Wie die Hauptbeauftragte der europäischen Union zur Planung von Flüchtlingslagern an der Küste von Marokko. Haben wir Ihnen nicht gesagt, dass Sie sich nicht um die Flüchtlingsfrage zu kümmern brauchen. Dafür gibt es Fachpersonal. Lassen Sie sich von ihren Klagen über beschönigte Zahlen, unmenschliche Zustände und europäische Scheinheiligkeit nicht stören, das ist nur der Stress ein Aufnahmezentrum nach europäischen Standards zu kalkulieren.

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Chillen Sie doch lieber mit unserem Vorzeigeurlauber am Pool. Unterhalten sich mit ihm über das reichhaltige Buffet, den fantastischen Obstsalat, die Zimmer nach europäischen Standard und unser umfassendes Sicherheitskonzept (Zäune). Begleiten Sie ihn bei seinem Kampf gegen die Schlaflosigkeit, bei der Suche nach Entspannung sowie dem Ende seiner Beziehung. Und lauschen sie seinen zunehmend paranoider werdenden Theorien zum Zustand unserer Gesellschaft.

_MG_4582In dem Theaterstück von Charlotte Roos treffen wir auf zwei Menschen am Rande des Wahnsinns. In ihren ineinander verschränkten Monologen verzweifeln sie an und kämpfen gegen eine Welt, in der es nur noch darum zu gehen scheint Probleme auszublenden oder gleich ganz abzuschieben. Hauptsache die Massen bleiben ruhig.
Dabei entstehen wahnwitzige Parallelen zwischen Ferien- und Flüchtlingslager, werden Missstände angeprangert und Fragen in den Raum gestellt.

Dass das Ganze nicht zu einem Betroffenheitstheater wird, liegt an der überspitzt dargestellten Situation, der turbulenten Sprache und dem satirischen Witz, der das Stück durchzieht.

Spiel: Farina Bludau, Henrik Diels  _MG_4632
Regie: Fabian Guillery

Eintritt:
VVK: 9 Euro zzgl. 1,90 Euro Gebühren
AK: 14 Euro

 

Regisseur Fabian Guillery, auf die Frage, warum er sich für eine Inszenierung dieses Stücks entschieden hat:
„Auch wenn das Drama schon über 10 Jahre alt ist, hat es nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Die Zahlen mögen veraltet sein, das Problem, wie Europa mit den wachsenden Migrationsströmen umgehen kann, ist weiterhin akut.

_MG_46052007 war es die Idee Aufnahmezentren in Marokko zu bauen. 2017 sollen sie in Tunesien und Libyen errichtet werden. Als ich das Stück vorgeschlagen habe, lag die grosse Flüchtlingswelle 2016 schon etwas länger zurück, doch ich hatte den Eindruck, dass man das Thema durchaus wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken sollte. Dass jetzt wieder die gleichen Lösungsvorschläge diskutiert werden, die es schon vor zehn Jahren gab, zeigt, wie wichtig es ist, sich kritisch damit auseinanderzusetzen.“

_MG_4656Dass das Ganze nicht zu einem Betroffenheitstheater wird, liegt an der überspitzt dargestellten Situation, der turbulenten Sprache und dem sarkastischen Witz, der das Stück durchzieht.